Und schon wird die Tür zu einem nächsten Schmuckstück der Handwerkskunst der Stadt geöffnet. „Wir haben hier tolle Geschäfte. Aber man muss auch drüber reden“, sagt der Visionär und tut es, auch über Steffi. Steffi Schmat ist Klöpplerin. Sie studierte in Schneeberg im Fach „Textile Flächengestaltung“. Sie klöppelt keine Deckchen oder Anhänger für Oster- oder Weihnachtssträuße. Bei ihr entstehen Mode, Schmuck für Menschen – kunstvolle Objekte. Eine architektonische Überraschung erwartet die Besucher ihres Ateliers und Geschäftes hinter einer unscheinbaren Tür: Ein Innenhof wie man ihn eher aus südlichen Ländern kennt. Auch hier ein Plausch über wichtige Themen, dieses Mal rund um die Klöppelkunst. Helmer erzählt wenig später: „In Schneeberg wurde die erste sächsische Klöppelschule eröffnet.“ Das war vor über 200 Jahren!
Ein kurzer Blick in die St. Wolfgangskirche mit dem wundervollen Altar von Lucas Cranach. Der Pfarrer, den Helmer sehr schätzt, ist außer Haus. Das Purple Path Kunstwerk von Sean Scully, „Cohn Stack 2“, sehen wir aus der Ferne. Es geht zu Helmers Herzensprojekt: Gemeinsam mit ‚unheimlich wertvollen Freunden‘ aus dem Schneeberger Braukombinat schenkte der Verein der Stadt Schneeberg ein eigenes Bier. Es war nicht das erste Mal, dass er in Sachen Bier Hand anlegte. In Zwickau hatte er die „Kevin Brewery“ gemeinsam mit Musikern seiner Punk-Band gegründet. In der Bergstadt fand er Mitstreiter, mit denen er das „Braukombinat“ ins Leben rief. Gebraut wird das „Filzer“ - nach dem Filzteich benannt, denn es hat eine Trübung, so moorig wie das Wasser des beliebten Schneeberger Ausflugszieles. Es wird nur vor Ort verkauft und ausgeschenkt. Und statt Oktoberfest wird hier die Steiger-Kirmes gefeiert. Da heißt es auch nicht „o’zapft is“ sondern „Tschingbum“ wie in einem traditionellen erzgebirgischen Lied, das Helmer kurz anstimmt. Auf dem Rückweg passieren wir die Evangelische Schule, in dessen Schulverein Helmer sich engagiert. „Da bekomme ich auch schon mal eine gewisse Erdung. Denn wir machen ja alles vor allem für die Zukunft dieser Kinder.“
In der Gegenwart angekommen und einen besonderen Ort geschaffen hat Nils Bergauer. Der Handschuhmacher, Gründer und Chef des gleichnamigen Restaurants hat in einem Gebäude – schräg gegenüber der „Goldnen Sonne“ – seine Schauwerkstatt Handschuhmanufaktur und sein Gasthaus Bergauer untergebracht. Seit 1876 gibt es die Manufaktur, das Restaurant seit ein paar Jahren. „Nils besitzt ein unheimlich großes Wissen über das Erzgebirge“, sagt Helmer und der Gelobte winkt ab. „Typisch für die Menschen hier“, erklärt Helmer und meint die Bescheidenheit. Deshalb macht er einfach mal lobend weiter und hebt hervor: Die tolle Zusammenarbeit mit den anderen Geschäftsführern der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft und Stadtwerke, die hervorragende Arbeit der Wirtschaftsförderung Erzgebirge und seinen Bürgermeister Seifert und ach – einfach alle wunderbaren Menschen, die etwas FÜR Schneeberg tun. Zum Filzteich und in das Technische Museum Siebenschlehener Pochwerk kurz „Poche“ genannt, schaffen wir es nicht mehr: Der nächste Termin wartet auf den Mann, der von sich sagt: „Ich darf keine Langeweile haben, dann komme ich auf Ideen.“ Und er verrät, dass er kürzlich einen ziemlich seltsamen Spitznamen bekommen hat: „Die Krake“ – weil er sich so viele Projekte krallt. „Was soll’s – wieder eine kleine Stadtgeschichte mehr“, schmunzelt Helmer.
Autorin: Ramona Bothe-Christl // Der Originalbeitrag ist im Stadtmagazin Stadtstreicher erschienen.