Mein Tag in Schneeberg mit Denny Helmer

Denny Helmer ist 45 und Geschäftsführer des Kulturzentrums Goldne Sonne in Schneeberg. Der gebürtige Zwickauer wuchs in Mosel auf und lebt nun seit 15 Jahren in der Bergstadt. Er ist verheiratet und Vater von drei Söhnen. Der gelernte Veranstaltungskaufmann und studierter BWLer hat eine spannende Vita: Gitarrist und Sänger einer Punk-Band in den „wilden“ 2000er Jahren, Organisator von Festivals (u.a. „New Wind“ am Schwanenteich in Zwickau), Veranstalter in Chemnitz und Zwickau, sowie DJ und Aktivposten im ehemaligen BPM in Zwickau. Er war Manager in einem Konzern, in dem er eine große Zukunft hatte, die in die große weite Welt hätte führen können. Er entschied sich für Schneeberg im Erzgebirge mit gut 13.500 Einwohnern.

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Denny Helmer

Einer unter Gleichen mit Visionen

In Schneeberg hat er seine Heimat gefunden. „Glück Auf“ hier, „Grüß dich“ da - wer mit diesem Mann durch „seine“ Stadt geht, muss ihn am Ende fragen: „Gibt es hier auch jemanden, den du nicht kennst!“ Vielleicht ja, aber da kommt schon der nächste vorbei. So ist das, wenn man Vereine mitgründet, sich in fünf Vereinen im Vorstand engagiert und in seinem Job als Leiter eines Kulturzentrums mehr als eine berufliche Aufgabe sieht.

Zuerst geht es auf eine Baustelle direkt neben dem Kulturzentrum. Hier entsteht ein Maker-Up. Helmer begrüßt alle Arbeitenden wie alte Freunde. Im kommenden Jahr wird das Haus zum 555. Stadtjubiläum hoffentlich eröffnet. Auf dem Weg zur „Kreativstadt“ Schneeberg soll das hier ein Anlaufpunkt und Zentrum werden. Unter anderem mit Holzwerkstatt und Modeatelier. Der Verein KulturWerk Schneeberg (Mitbegründer und im Vorstand: Denny Helmer), wird Betreiber sein. Nur einen Steinwurf entfernt, hinter der „Goldnen Sonne“ - Helmers nächstes Projekt. Auch ein Bauvorhaben. Dort werden Gästewohnungen entstehen.

Die Wege hier sind kurz. Schon stehen wir vor dem „1979“ - einem Stadtgeheimnis. Ein abgeschlossenes Helmer-Projekt. In einem Nebenraum verbirgt sich - nein, nicht die Auflösung des Geheimnisses - sondern etwas Verrückt-Klingendes. Fässer mit Schneeberger Whisky. Auch so eine seiner Ideen. Zu Weihnachten 2025 wird das edle Getränk das erste Mal herausgelassen. Der Gastraum von „1979“ lädt zum Frühstück ein, zu Bingoabenden, Kneipenquiz oder Musikerstammtisch. Das Geheimnis soll noch eine Weile eines bleiben. „Aber irgendwann löse ich es auf“ verspricht der vor Ideen sprudelnde Mann. „Du musst Geschichten erzählen, nicht nur für die Einheimischen, auch für Touristen“, erklärt der umtriebige Schneeberger. Und: mit anderen kooperieren, vernetzen. Das ist ihm sehr wichtig. Immer wieder betont er: „Ich bin nicht allein, sondern umgeben von umheimlich tollen Menschen.“ Sein fast schönster Satz: „Ich bin einer unter Gleichen.“

Eventtipps in Schneeberg

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Denny Helmer mit Bürgermeister Ingo Seifert

Und schon wird die Tür zu einem nächsten Schmuckstück der Handwerkskunst der Stadt geöffnet. „Wir haben hier tolle Geschäfte. Aber man muss auch drüber reden“, sagt der Visionär und tut es, auch über Steffi. Steffi Schmat ist Klöpplerin. Sie studierte in Schneeberg im Fach „Textile Flächengestaltung“. Sie klöppelt keine Deckchen oder Anhänger für Oster- oder Weihnachtssträuße. Bei ihr entstehen Mode, Schmuck für Menschen – kunstvolle Objekte. Eine architektonische Überraschung erwartet die Besucher ihres Ateliers und Geschäftes hinter einer unscheinbaren Tür: Ein Innenhof wie man ihn eher aus südlichen Ländern kennt. Auch hier ein Plausch über wichtige Themen, dieses Mal rund um die Klöppelkunst. Helmer erzählt wenig später: „In Schneeberg wurde die erste sächsische Klöppelschule eröffnet.“ Das war vor über 200 Jahren!

Ein kurzer Blick in die St. Wolfgangskirche mit dem wundervollen Altar von Lucas Cranach. Der Pfarrer, den Helmer sehr schätzt, ist außer Haus. Das Purple Path Kunstwerk von Sean Scully, „Cohn Stack 2“, sehen wir aus der Ferne. Es geht zu Helmers Herzensprojekt: Gemeinsam mit ‚unheimlich wertvollen Freunden‘ aus dem Schneeberger Braukombinat schenkte der Verein der Stadt Schneeberg ein eigenes Bier. Es war nicht das erste Mal, dass er in Sachen Bier Hand anlegte. In Zwickau hatte er die „Kevin Brewery“ gemeinsam mit Musikern seiner Punk-Band gegründet. In der Bergstadt fand er Mitstreiter, mit denen er das „Braukombinat“ ins Leben rief. Gebraut wird das „Filzer“ - nach dem Filzteich benannt, denn es hat eine Trübung, so moorig wie das Wasser des beliebten Schneeberger Ausflugszieles. Es wird nur vor Ort verkauft und ausgeschenkt. Und statt Oktoberfest wird hier die Steiger-Kirmes gefeiert. Da heißt es auch nicht „o’zapft is“ sondern „Tschingbum“ wie in einem traditionellen erzgebirgischen Lied, das Helmer kurz anstimmt. Auf dem Rückweg passieren wir die Evangelische Schule, in dessen Schulverein Helmer sich engagiert. „Da bekomme ich auch schon mal eine gewisse Erdung. Denn wir machen ja alles vor allem für die Zukunft dieser Kinder.“

In der Gegenwart angekommen und einen besonderen Ort geschaffen hat Nils Bergauer. Der Handschuhmacher, Gründer und Chef des gleichnamigen Restaurants hat in einem Gebäude – schräg gegenüber der „Goldnen Sonne“ – seine Schauwerkstatt Handschuhmanufaktur und sein Gasthaus Bergauer untergebracht. Seit 1876 gibt es die Manufaktur, das Restaurant seit ein paar Jahren. „Nils besitzt ein unheimlich großes Wissen über das Erzgebirge“, sagt Helmer und der Gelobte winkt ab. „Typisch für die Menschen hier“, erklärt Helmer und meint die Bescheidenheit. Deshalb macht er einfach mal lobend weiter und hebt hervor: Die tolle Zusammenarbeit mit den anderen Geschäftsführern der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft und Stadtwerke, die hervorragende Arbeit der Wirtschaftsförderung Erzgebirge und seinen Bürgermeister Seifert und ach – einfach alle wunderbaren Menschen, die etwas FÜR Schneeberg tun. Zum Filzteich und in das Technische Museum Siebenschlehener Pochwerk kurz „Poche“ genannt, schaffen wir es nicht mehr: Der nächste Termin wartet auf den Mann, der von sich sagt: „Ich darf keine Langeweile haben, dann komme ich auf Ideen.“ Und er verrät, dass er kürzlich einen ziemlich seltsamen Spitznamen bekommen hat: „Die Krake“ – weil er sich so viele Projekte krallt. „Was soll’s – wieder eine kleine Stadtgeschichte mehr“, schmunzelt Helmer.

Autorin: Ramona Bothe-Christl // Der Originalbeitrag ist im Stadtmagazin Stadtstreicher erschienen.