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Besser früher den Fachmann mal auf Zähne und Kiefer des Kindes schauen lassen! Beugt späteres Leiden vor.

Prophylaxe ist Gold wert

Was Eltern über Zahnfehlstellungen, Behandlung und Vorsorge wissen sollten

Wer hätte das gedacht: Schon vor über 2000 Jahren versuchten Menschen, Fehlstellungen im Gebiss zu beheben. Doch bis Behandlungen im Sinne der Kieferorthopädie in Europa ein Thema wurden, dauerte es noch über 1500 Jahre. Anfang des 17. Jahrhunderts entdeckte ein italienischer Anatom, wie man durch das gezielte Entfernen von Zähnen einem zu engen Stand der Zähne entgegengwirken kann. Noch einmal über 100 Jahre später begann die Korrektur bzw. Begradigung des Gebisses mit Hilfe von Zahnspangen. Seitdem wurden die Verfahren immer weiter verbessert. Wurden bis etwa 1930 nur festsitzende Spangen verwendet, begann nun auch die Verwendung herausnehmbarer Modelle. Heute sind beide Möglichkeiten so weit entwickelt, dass sie dem Alter der Patienten und der Art und Schwere der Zahn- oder Kieferfehlstellung angepasst werden. Am besten gelingt dies natürlich schon im Kindesalter. Dazu ist es besonders wichtig, den richtigen Zeitpunkt der Behandlung abzupassen. „Normalerweise fallen Probleme bei klassischen Zahnarztbesuchen auf“, erklärt Dr. Carsten Bieber vom Verein Sächsischer Kieferorthopäden. Werden dort behandlungsbedürftige Auffälligkeiten festgestellt, wird an den Spezialisten überwiesen. Sollten Eltern selbst etwas bemerken, wie Zahnfehlstellungen oder Probleme beim Kauen, können sie auch direkt zum Kieferorthopäden gehen. Man braucht nicht zwingend eine Überweisung. „In der Regel beginnen Behandlungen in der zweiten Hätte des Zahnwechsels. Wenn es zuvor schon Probleme gibt, kann das durchaus auch zu einem früheren Zeitpunkt erfolgen. Für besondere Fälle - im Kleinkindalter - gibt es in Chemnitz die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Klinikums“, gibt Dr. Bieber als Hinweis mit. Der Anteil der behandlungsbedürftigen Kinder und Jugendlichen ist aus Sicht des Leipziger Facharztes schwer zu benennen. „Doch er nimmt zu mit wachsendem Zahnbewusstsein.“ Wie und überhaupt können Eltern aber darauf einwirken, dass es erst gar nicht zu Problemen kommt? „Die Form beeinflusst die Funktion und die Funktion die Form“, erklärt Dr. Bieber. Wem das klar ist, kann einige Komplikationen vermeiden. „Die klassische Empfehlung ist, dass Nuckel bis spätestens zum 3. Lebensjahr abzuschaffen. So kann sich das Gebiss entwickeln, muskuläres Gleichgewicht kann sich herstellen“, zeigt der Kieferorthopäde auf. Übrigens ist das auch für die Bewegung von Lippen und Zunge wesentlich und schlussendlich sogar für die Sprachentwicklung. Ist es zu spät und eine Behandlung wird notwendig, stehen dafür unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Dabei hätten, laut Bieber, die klassischen Methoden wie feste Zahnspangen durchaus ihre Berechtigung und ihren Sinn. Beim Einsatz einiger Schienensystemen, die ebenso Zahnstellungen korrigieren können, muss jedoch darauf geachtet werden, dass wirtschaftlich gearbeitet wird und vor allem, was die Krankenkassen bezahlen. „Jeder muss abwägen, was geht, was will ich und was kann und will ich vielleicht zuzahlen“, sagt der Experte. Doch was geschieht, wenn die Behandlung im Kindes- und Jugendalter nicht erfolgt? Die Schönheit durch schiefe Zähne oder größere Zahnabstände sei hier hintenangestellt. Dr. Bieber zählt auf: „Erstens können Schäden direkt an den Zähnen wie größerer Abrieb auftreten, zweitens am Parodontium, dem Zahnhalteapparat, der dafür sorgt, dass Zähne fest im Kiefer verankert sind, und drittens kann es zu Schäden an der Muskulatur und/oder dem Kiefergelenk kommen. Diese drei Säulen schaffen später Probleme (Zahnschädigungen, Kieferblockaden).“ Bis zum 30. Lebensjahr, so der Spezialist, sei der Körper bereit, viele Probleme zu tolerieren. Dann ergeben sich möglicherweise dauerhafte Veränderungen an Zähnen und/oder dem Zahnhaltesystem oder aber am Muskel-Gelenk-Komplex mit Verspannungen, Schmerz und sogar Bewegungsbehinderungen. Das Fazit: Prophylaxe ist Gold wert.

ÜBRIGENS: Die kieferorthopädische Versorgung in Chemnitz ist derzeit noch gesichert. „Doch in den kommenden Jahren werden ältere Kolleginnen und Kollegen ihre Praxen aufgeben und Nachfolger sind nicht in Sicht. Im Erzgebirgskreis gibt es diesbezüglich schon Versorgungsprobleme“, weiß das Vorstandsmitglied des Vereins der sächsischen Kieferorthopäden e.V., Dr. Carsten Bieber (Foto) und rät: „Früh prophylaktisch beim Zahnarzt des Kindes nachfragen und seine Meinung anhören: Was hat mein Kind, was kann man frühzeitig verändern und dann mit Absprache des Spezialisten notwendige Therapien planen.“

Text: Ramona Bothe-Christl/Originalbeitrag im Stadtstreicher 06-08/2026

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Kieferorthopäde Dr. Carsten Bieber vom Verein Sächsischer Kieferorthopäden