Die besten Orte in der Region, um Schluss zu machen

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, …“

Es lässt sich einfach nicht besser ausdrücken als mit Hermann Hesses bekanntestem Gedicht: Das Leben hält immer neue „Stufen“ für uns bereit, wenn alte uns zunehmend lähmen. Also nicht zögern und fröhlich einen nächsten Anfang wagen. Es lohnt sich. Und zwar nicht nur zum Jahreswechsel. Doch zuvor muss natürlich erstmal ein Schluss-Strich her, ein alter Zopf abgeschnitten werden, gewendet werden in der Sackgasse. Und es gibt weit schönere Treffpunkte für ein Beziehungs-Aus als WhatsApp, weit bessere Orte für die letzte Zigarette als neben einem Silvesterböller und wesentlich neutraleres Terrain für eine Kündigung als das Zimmer vom Chef.

Wir haben mal acht tolle Orte zusammengetragen, die sich für den letzten Schritt vorm Neuanfang ganz wunderbar anbieten.

Autorin: Jenny Zichner // Der Originalbeitrag ist im Stadtmagazin Stadtstreicher erschienen.

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Chemnitz2025/Johannes Richter
Chemnitz2025/Johannes Richter

Olaf Holzapfels Skulptur „zwei ineinander gewobene“ auf der Dittersdorfer Höhe

Ist das nicht atemberaubend? Oben auf dem Berg stehen, in die weite Landschaft schauen, noch eine letzte Zigarette rauchen, dann tief durchatmen – und Schluss. Das war’s. Nie wieder dieser Geruch von kaltem Rauch am Morgen, nie wieder diese nikotingelben Finger, nie wieder nachts an die Tanke für die nächste Schachtel. Ok – Geld sparen die wenigsten. Irgendwie geht es immer für etwas anderes drauf. Aber ist schon ein großes Gefühl, wenn die rauchfreien Wochen vergehen und die Lust auf Zigaretten auch. Und dann steigt man halt immer mal wieder rauf zu Holzapfels 14 Meter hoher Skulptur, natürlich mit viel mehr Puste als früher und feiert die eigenen Erfolge.

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Jenny Zichner
Jenny Zichner

Rakete im Kosmonautenzentrum „Sigmund Jähn“ im Chemnitzer Küchwald

Kennt jeder von uns: Da gibt es diesen einen Menschen auf Arbeit, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft, den man am liebsten zum Mond schießen würde. Also warum nicht? Ein Ausflug zur Rakete im Chemnitzer Küchwald steht an. Dort rauf in den Himmel schauen, weitet den Blick. Das macht die Kollegin oder den Kollegen, Freunde oder Bekannte auch nicht sofort sympathischer, aber irgendwie harmloser. Zumindest wenn man in Anbetracht des weiten Firmaments akzeptiert, dass man andere Personen eh nicht ändert und stattdessen beschließt, die eigene Einstellung zu ihnen und den Dingen auf Gelassenheit umzustellen. Es fühlt sich dann tatsächlich wie abheben an, wenn man schwierige Personen hinter sich lässt und resilient durchstartet.

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Kora27, Paradiesbrücke über die Zwickauer Mulde in Zwickau 2H1A1503WI, CC BY-SA 4.0
Kora27, Paradiesbrücke über die Zwickauer Mulde in Zwickau 2H1A1503WI, CC BY-SA 4.0

Paradiesbrücke in Zwickau

Wer kann schon von sich sagen, immer glücklich zu sein? Natürlich niemand. Aber eigentlich wäre es ganz einfach. Man muss nur Schluss machen mit der Unzufriedenheit. Und das gelingt womöglich am besten an der Paradiesbrücke in Zwickau. Allein der Anblick überrumpelt schon jedes zornige Gemüt und wenn man dann mal drüber rennt, geht es einem vielleicht wie Luther. Der soll über die Brücke vor wütenden Franziskaner-Mönchen geflohen und so froh über eine nahegelegene Zuflucht gewesen sein, dass er sie als Paradies bezeichnet habe. Insofern lädt die Brücke geradezu ein, dem kleinen Glück etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

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Thomas Böttger, Pobershau Grüner Graben, CC BY-SA 4.0
Thomas Böttger, Pobershau Grüner Graben, CC BY-SA 4.0

Katzenstein und Schwarzwassertal

Schluss mit der Trägheit. Das war’s für den inneren Schweinehund – der Katzenstein und das Schwarzwassertal rufen. Im Ernst: Wer seinen Fuß in das Tal der Schwarzen Pockau setzt, wird von nun an Wandern ohne Unterlass. Das Naturschutzgebiet mit seinen imposanten Felsformationen, dem wildromantischen Fluss und den wundervollen Wäldern ist viel zu schön, um alternativ auf der Couch zu versauern. Und wenn man irgendwann mal überall war, dann läuft man wieder los, um seltene Vogelarten oder Pflanzen zu bestaunen. Tatsächlich gehört dieses Fleckchen Erde zu den Gegenden, in denen regelmäßiges Bewegen nicht nur leichtfällt, sondern zur Sucht werden könnte.

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Aagnverglaser, Blauenthaler Wasserfall (vereist) 2021 (5), CC BY-SA 4.0
Aagnverglaser, Blauenthaler Wasserfall (vereist) 2021 (5), CC BY-SA 4.0

Blauenthaler Wasserfall in Eibenstock

Etwa 30 Meter stürzt das Wasser in die Tiefe, spritzt mal hier, mal dort – und gefriert im Winter zu massigen Eisgebilden. Irgendwie halt, aber faszinierend. Vor allem für Eiskletterer. Bei diesem Anblick fragt man sich schon, warum wir so oft nach Perfektion streben, detaillierte Pläne lieben, besonders, wenn sie aufgehen, und warum wir einfach nichts laufen lassen können. Warum nicht mal: Es kommt, wie es kommt? So wunderbar spontan wirken, wie Sachsens höchster Wasserfall? Einen Versuch wäre es doch wert: Dort zu stehen, die Augen zu schließen, im wilden Wirken der Natur zu entspannen und das Unterbewusstsein ein paar Vorschläge machen zu lassen, wo wir die Zügel auch mal lockerer lassen könnten. Und wenn’s nur beim tadellosen Bügeln ist.

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Jwaller, GrünfelderparkBadehs3, CC BY-SA 3.0
Jwaller, GrünfelderparkBadehs3, CC BY-SA 3.0

Grünfelder Park in Waldenburg

Was für ein romantischer Ort! Es braucht nicht viel Fantasie, um Graf Otto Carl Friedrich von Schönburg-Waldheim und seine Frau Henriette Eleonore Elisabeth in diesem Englischen Garten lustwandeln zu sehen. Und auch wenn das schon 250 Jahre her ist, taugt der Park noch immer für große Gefühle. Also auch für stilvolle Abschiede, für respektvolle Trennungen, für ein: „Wir hatten eine gute Zeit, aber gemeinsam wird sie nicht besser. Jeder von uns braucht einen neuen Anfang.“ Klar sind in dem Moment meist nicht beide davon überzeugt, aber Menschen, die leiden können, die können auch lieben. Zweimal, dreimal, viermal – so oft sie wollen. Und sie werden vielleicht nicht sofort, aber mit Abstand betrachtet doch gerührt sein, dass es in ihrem Leben einen Menschen gab, der sich nicht nur um den richtigen Ort für den Heiratsantrag einen Kopf gemacht hat, sondern auch um das passende Goodbye.

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Aagnverglaser, Felsendome Rabenstein, Eingang (1), CC BY-SA 4.0
Aagnverglaser, Felsendome Rabenstein, Eingang (1), CC BY-SA 4.0

Felsendome Rabenstein

Gerade haben wir alle ein großes Ende erlebt. Das Kulturhauptstadt-Jahr ist rum. Der Freizeit-Stress wohl also auch: Dieses Nebeneinander von unzähligen tollen Events fühlt sich zwar super an, aber wird es bleiben? Zumindest das Ungesehene oder Übersehene wird es auch künftig geben. So wie die Felsendome, die irgendwie nie auftauchte im Programm, obwohl es doch in epischer Breite auch um den Bergbau ging. Aber gerade deshalb ist der Ort perfekt, um sich von diesem besonderen Jahr in der Stadtgeschichte zu verabschieden. Denn es ist alles da, was es für einen kulturvollen Abschied braucht: eine sensationelle Akustik, eine zauberhafte Kulisse, Säle und Seen, Bergbaugeschichte, ein verschwundenes Naturtheater – und die Stille nach dem Rausch.

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Aagnverglaser, Pumpspeicherwerk Markersbach, Blick von der Staumauer des Unterbeckens nach Markersbach (3), CC BY-SA 4.0
Aagnverglaser, Pumpspeicherwerk Markersbach, Blick von der Staumauer des Unterbeckens nach Markersbach (3), CC BY-SA 4.0

Pumpspeicherwerk Markersbach

Es gibt Situationen, da braucht es sehr viel Entschlossenheit für einen Schlussstrich. Zum Beispiel wenn sich Job schon seit Ewigkeiten falsch anfühlt. Also auf geht’s: Schließlich liegt das zweitgrößte Pumpspeicherwerk Deutschlands mit einer Leistung von mehr als tausend Megawatt gleich um die Ecke. Und mal abgesehen davon, dass eine Wanderung über die Staumauer und rund um das Unterbecken ein besonderes Erlebnis ist, gibt dieser Ort einfach immer Kraft. Dazu kommt, dass man von dort aus auch das Viadukt mit der alten Bahntrasse sehen kann, wo aktuell eines der größten digitalen Testfelder für intelligenten Schienenverkehr in Europa betrieben, also irgendwie auch an den Jobs der Zukunft geforscht wird. Na, was ist?

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