Töne, Tanzen, Trommelwirbel:

Ein Leben mit Musik - von klein auf

Wenn Musik erklingt, geht das Herz auf. Das passiert schon bei den Kleinsten. Babys sind begeistert von Tönen, Klängen, Stimmen. Die musikalische Früherziehung ist ein pädagogisches Konzept, das Kinder im Vorschulalter spielerisch, ohne Leistungsdruck an das Singen, Bewegen und gemeinsame Musizieren heranführt. Welche Angebote und Konzepte gibt es dafür in Chemnitz und dem Umland? Der Stadtstreicher hat sich einmal umgehört.

Silke Kratzsch

Musikschule am Thomas-Mann-Platz

Die Musikpädagogin und Pianistin Silke Kratzsch hat schon während ihres Studiums Ende der 1990er Jahre erste Erfahrungen im Unterricht mit Kindern gesammelt. Seit dem Jahr 2000 ist sie selbstständig im Bereich Musikalische Früherziehung tätig und gibt unter anderem Kurse an der Musikschule am Thomas-Mann-Platz. Ihren Beruf beschreibt sie als wahren Segen. „Ich liebe meine Arbeit! Man bekommt von den Kindern unendlich viel zurück“, erzählt die heute 49-Jährige. Bereits die Augen von kleinen Babys würden leuchten, wenn sie Töne, Klänge und Gesang hören. Nach einigen Jahren des Ausprobierens und Experimentierens mit verschiedenen Unterrichtskonzepten wuchs in Silke Kratzsch der Wunsch, etwas Eigenes für die Musikalische Früherziehung zu schreiben, da die vorhandenen Materialien nicht ihren Vorstellungen gerecht wurden. Herausgekommen ist das Programm „Anton & Hörmine“. In zwei Büchern, einem blauen und einem grünen Band, nehmen darin der Affe Anton und die Schnecke Hörmine Kinder ab 18 Monaten mit in die Welt der Musik. In jedem Band sind 24 Themen enthalten, die musikalisch erlebt und bespielt werden. Vom Bauernhof über Alltagsroutinen wie Händewaschen und Zähneputzen bis hin zur Zirkuswelt, Eisenbahn oder Schlittenfahrt, findet dabei alles statt, was Kinder in ihrer Lebenswelt bewegt und begeistert. Die Kinder und ihre Eltern singen bei Silke Kratzsch gemeinsam mit „Anton & Hörmine“, spielen, tanzen, musizieren und erleben dabei kleine musikalische Geschichten. Mit Trommeln, Klanghölzern oder Tüchern wird im Rhythmus Musik gemacht. Zu den Büchern gehört auch Musik auf CD oder per Onlinestreaming. Dadurch kann alles mit nach Hause genommen werden, wo dann weiter musiziert wird. „Die Bücher sind für die Kinder sehr wichtig. Sie tragen sie nach Hause und nehmen damit auch die Musik mit in ihren Alltag“, erzählt Silke Kratzsch. Sowohl traditionelle Lieder als auch eigens Geschriebenes findet sich bei „Anton & Hörmine“. Das Programm hat mittlerweile über Chemnitz hinaus Anhänger in ganz Deutschland und Österreich gefunden. Musikalische Früherziehung ist für Silke Kratzsch der Schlüssel zu einem Leben mit Musik. Je früher sich damit beschäftigt wird, umso besser, sagt sie. Schon im Alter ab sechs Monaten, in den Babykursen, könnten sich Mädchen und Jungen durch Klatschen, Patschen und Stampfen einzelne Abläufe einprägen und verinnerlichen. Dazu komme der Einsatz von Fingerpuppen, Versen, Reimen und Gesang. All das fördere die Entwicklung der Sprache, Rhythmik und Motorik. „Wenn man das Ganze von Anfang an spielerisch vermittelt, sind Kinder musikalisch gut vorbereitet für alles, was noch so kommen mag im Leben“, sagt Silke Kratzsch. Dabei denkt sie nicht nur an die weiterführenden Kurse der musikalischen Früherziehung ab vier Jahren, bei denen es gezielter um das musikalische Gehör, die Singstimme und erste Versuche am Tasteninstrument geht. Der frühe Kontakt zur Musik bleibe oft auch im Teenageralter ein Anker und drücke sich dann manchmal auch in weiteren Interessen wie Musical oder Schauspielerei aus.

Katja Seidel

Musikgarten

Seit über 15 Jahren bietet auch Katja Seidel als lizenzierte Musikgartenlehrerin in Chemnitz Musikkurse für Eltern mit kleinen Kindern an. Im Babymusikgarten, der für Kinder von 6 bis 16 Monaten gedacht ist und immer donnerstags vormittags im Familientreff Flemmi auf der Flemmmigstraße 1 in Altendorf stattfindet, wird in gemütlicher Runde gemeinsam gerasselt, getrommelt, gesungen und getanzt. „Eltern erhalten ein Repertoire an lustigen Fingerspielen, wilden Kniereitern, actionreichen Bewegungsliedern und beruhigenden Kuschelliedern an die Hand, die sich im Familienalltag schnell als nützlich erweisen, wie zum Beispiel das ‚Ticki-Tacki-Tucki-Häuschen‘, das so manche lange Autofahrt rettet“, erzählt Katja Seidel. Wenn junge Eltern den Weg zu ihr gefunden haben, nehmen sie meistens auch gleich an zwei bis drei Babykursen hintereinander teil, bis die Eingewöhnung in der Kita vor der Tür steht. Viele Babykursteilnehmer träfen sich dann später auch im Geburtshaus Chemnitz wieder, wo die 49-Jährige mittwochs nachmittags Musikgartenkurse für knapp zwei- bis vierjährige Kinder anbietet. Auch dort seien viel Rhythmus und Bewegung im Spiel, was die Sprachentwicklung und Feinmotorik enorm fördere, so Katja Seidel. Die Kinder probieren demnach verschiedene Instrumente aus und lernen einfache Tänze, Lieder und Fingerspiele. „Doch Achtung: Die Ohrwürmer bleiben oft im Kopf und die Kinder wollen gern zuhause weitersingen“, berichtet Katja Seidel. Die musikalische Früherziehung sei für die Chemnitzerin eine Herzensangelegenheit. Dabei sei es ihr in ihrer Arbeit wichtig, dass die Eltern sich aktiv beteiligen. „Kinder nehmen ihre Eltern als Vorbilder wahr und versuchen sowieso, ihnen alles nachzumachen. Wenn ich also auch die Eltern für das Musizieren begeistern kann, überträgt sich das schnell auf die Kinder. Deshalb bekommen bei mir auch die Eltern Instrumente in die Hand gedrückt und werden zum Mitsingen eingeladen“, erzählt Katja Seidel. Ein großes Kompliment will sie an dieser Stelle an die Papas von heute richten, die sich nicht mehr scheuen, mit ihrem Kind einen Musikkurs zu besuchen. „Mittwoch nachmittags waren schon von acht Eltern-Kind-Paaren fünf Kinder mit ihrem Papa am Start!“ Da sowohl Eltern als auch Kinder bei Katja Seidel Instrumente in die Hand bekommen, ist ihr Instrumentenschrank rappelvoll. Es gibt Klanghölzer, Glockenstäbe, Holzglöckchen, Holzrasseln, Egg-Shaker, Stilrasseln, Kastagnetten, Triangeln, Holzratschen, Trommeln, bunte Chiffontücher und Bänder jeweils in Klassensatzstärke. Für Lieder zu bestimmten Themen hat sie außerdem besondere Utensilien, wie Schneebälle, Pustekäfer, Windmühlen oder Papierboote zur Hand. „Manchmal reicht auch ein Stück Faden, um die Fantasie von Eltern und Kindern fliegen zu lassen und einen Regenwurm Klaus zum Leben zu erwecken“, sagt die Musikgartendozentin. Stolz ist Katja Seidel darauf, dass sie im Musikgarten auch schon Mitglieder der Robert-Schumann-Philharmonie mit ihren Kindern begrüßen durfte. „Es ist schön, dass ich auch Profi-Musiker mit meinen Kursen begeistern konnte.“ Wenn die freiberufliche Dozentin nicht mit Gitarre, Ukulele und Co. unterwegs ist, sitzt sie im Büro einer Chemnitzer Softwarefirma und kümmert sich dort um die Finanzbuchhaltung. Privat hat die dreifache Mutter eine Leidenschaft für a-capella-Musik und singt im Ensemble „Cantorianer“ aus Chemnitz und im Vocalensemble „poptales“. Darüber hinaus ist sie Cello-Schülerin an der Städtischen Musikschule und spielt im Erwachsenen-Cello-Quartett. Ein Leben voll Musik!

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Ruben Seidel
Ruben Seidel

Katja Seidel

Janet Lindner

Städtische Musik-schule Chemnitz

Wenn kleine Kinder Musik machen und ihnen dabei die Freude ins Gesicht geschrieben steht, dann geht Janet Lindner das Herz auf – auch nach 21 Jahren noch. So lange ist die Chemnitzerin bereits Fachbereichsleiterin für musikalische Früherziehung an der Städtischen Musikschule. Mehr als 90 Schüler pro Woche, aufgeteilt auf 18 Kurse, kommen zu Janet Lindner, um in die Welt der Musik einzutauchen. Und das geht bei ihr schon ab einem Alter von vier Monaten. „Das sind unsere sogenannte MusiKäfer, die mit ihren Eltern im musikalischen Spiel Töne, Stimme und Körper erkunden“, erklärt die Fachfrau. Dabei erobern die Babys Rasseln, Klanghölzer, Trommeln und bunte Tücher. „Die meisten halten das auch 45 Minuten durch, ohne zu weinen“ erzählt sie weiter. Mit Liedern und Versen sowie Mimik und Gestik soll zum Lachen und Träumen angeregt werden. Beim Hören von klassischer Musik bewegen sich Mama oder Papa mit den Kleinsten im Raum, was bei den Babys oft strahlende Augen auslöse, so Lindner. Kinder von 18 Monaten bis vier Jahren können den sogenannten Piepmatzkurs besuchen. Hier werden Eltern eingeladen, mit ihrem Kind selbst Musik zu machen. Einfache Instrumente wie Klangstäbe, Rasseln, Klanghölzer, Triangeln, Glöckchen oder Trommeln kommen dabei zum Einsatz. „Dabei wollen wir Freude an Klang, Rhythmus und Bewegung vermitteln und geben auch viele Anregungen für das musikalische Spiel zuhause mit“, erklärt Janet Lindner. Im Piepmatzkurs gehe es zudem um freies Singen, Echo- und Stimmspiele, tanzen zur Musik und darstellende Bewegung. Musikalische Früherziehung wird in der Städtischen Musikschule von vier bis sechs Jahren angeboten. Dabei können die Kinder ihre musikalischen Erfahrungen vertiefen. Rhythmus und Melodie werden bewusster wahrgenommen, erste Strukturen erkennbar, Instrumente gezielter eingesetzt und das gemeinsame Musizieren gewinnt an Bedeutung. „Die Fantasie- und Gefühlswelt der Kinder steht im Vordergrund“, so Janet Lindner. In der Vorschulphase erfolgt in der Musikschule schließlich eine behutsame Vorbereitung auf den späteren Instrumentalunterricht. Die Kinder lernen grundlegende musikalische Zusammenhänge kennen, entwickeln ein sicheres Rhythmusgefühl und machen erste Erfahrungen mit grafischer Notation. Jede Unterrichtsstunde, egal ob für die ganz Kleinen oder die schon größeren Mädchen und Jungen, verbinde laut Janet Lindner verschiedene musikalische Elemente. Singen und Sprechverse fördern demnach Sprache, Gehör und Ausdruck; durch Klatschen und Stampfen wird Rhythmus trainiert; Bewegung und Tanz unterstützen Körpergefühl und musikalisches Empfinden; bewusstes Lauschen und das Unterscheiden von Klängen trägt zur Hörerziehung bei. Wichtig ist Janet Lindner, dass der Unterricht immer lebendig ist und alle Sinne anspricht. „Jedes Kind ist von Natur aus musikalisch“, sagt die 57-Jährige. Ihr Unterricht erfolge immer ohne Druck, aber mit viel Begeisterung. „Alles, was wir hier tun, ist ein Angebot, kein Muss“, betont sie. Dieses freie Angebot gebe den Kindern schon früh Selbstvertrauen, fördere die Konzentration und auch die sozialen Kompetenzen in einer Gruppe.

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Steffi Hofmann
Steffi Hofmann

Janet Lindner

Weitere Angebote in Chemnitz

Auch der Verein MusicX, der sich 2021 gegründet der hat, bietet Musik für die Kleinsten. Jeden ersten Montag im Monat von 9.30 bis 10.30 Uhr findet das Format „MusicX-Tiny“ statt, das Kleinkindern und ihren Eltern die Möglichkeit schenkt, frühzeitig in die Welt der Musik einzutauchen. Die Veranstaltung will eine spielerische und anregende Umgebung schaffen, in der Kinder erste musikalische Erfahrungen sammeln und gemeinsam mit ihren Eltern musizieren können. Das Angebot richtet sich primär an Kleinkinder im Alter von 1 bis 5 Jahren und ihre Eltern. Bei „MusicX-Tiny” werden die Kinder durch einfache Instrumente an die Musik herangeführt. Dabei gibt es keine festen Vorgaben, sodass jedes Kind in seinem eigenen Tempo die Welt der Klänge und Rhythmen entdecken kann. Eine erfahrene Theaterpädagogin leitet die Stunde an. Die musikalische Früherziehung findet in den Räumlichkeiten von des MusicX e.V. an der Mühlenstraße 94 in Chemnitz statt. Mit den „Sing- und Klangzwergen“ hat der Familienverein für Groß & Klein ein Angebot zur Musikalischen Früherziehung in petto. Es werden Eltern-Kind-Kurse für Kinder von 0 bis 3 und 4 bis 6 Jahre organisiert. Bei den „Sing- und Klangzwergen“ dreht sich bei sieben Einzelterminen alles rund um die Musik. Es wird gesungen, gespielt, geklatscht, gestreichelt und getanzt. Der Kurs verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, so dass die Lieder mit allen Sinnen erlebt werden. Dazu gibt es zahlreiche Anregungen für zu Hause. Dafür kommen verschiedene Materialien wie Handpuppen, Luftballons, Bilder, Kamishibai, Federn und Tücher zum Einsatz. In einer lockeren Atmosphäre werden bekannte Kinderlieder gesungen, neue Lieder eingeübt, Geschichten erzählt, Orff-Instrumente gespielt und Sprach- und Bewegungsübungen gelernt. Von der Kursleiterin gibt es dabei nicht nur Tipps und Informationen rund um die musikalische Früherziehung, sondern auch ein offenes Ohr für alle anderen Familienthemen. Der Kurs „Mit den Sing- und Klangzwergen durch den Familienalltag“ ist übrigens ein von der AOKPlus finanzierter Gesundheitskurs. Für Kinder, die dort versichert sind und für das begleitende Elternteil übernimmt die Krankenkasse bei 80-prozentiger Teilnahme die Kurskosten zu 100 Prozent. Das Angebot findet im Kursraum an der Erich-Mühsam-Straße 35 statt. In der Musikschule am Brühl ist die Schauspielern Romy Buchmann für die Musikalische Früherziehung zuständig. „Darüber hinaus gehen wir gern mit einem Instrumentenkarussell in die Kitas“, informiert Angelika Smyschlajew, die Leiterin der Musikschule. Dabei lernen die Kleinsten etwas über Gesang sowie das Klavier, die Gitarre und verschiedene Schlaginstrumente. Außerdem gibt es in der Musikschule am Brühl die Möglichkeit, dass kleine Kinder ab vier Jahren gemeinsam mit ihren Eltern oder Großeltern ein Instrument lernen.

Maik Kern

Kreis- musikschule Zwickau

Auch im Chemnitzer Umland gibt es die Möglichkeit, kleine Kinder früh mit der Welt der Musik in Kontakt zu bringen. Die Kreismusikschule Zwickau bietet Unterricht in Limbach-Oberfrohna, Hohenstein-Ernstthal, Lichtenstein, Meerane, Glauchau, Werdau, Wildenfels und Dennheritz an. „Dabei haben wir Kurse in Unterrichtsstätten, gehen aber auch in Kitas, wenn sie das wünschen“, erklärt Maik Kern, Leiter der Kreismusikschule. Kern ist gebürtig aus Bad Elster, hat in Dresden Trompete studiert und bis 1990 in verschiedenen Bands gespielt. Nach der Wende ist er zwei Jahre lang mit einer Big Band aus Niedersachsen getourt, bis er 1992 bei der Kreismusikschule anfing. Die musikalische Früherziehung soll in seinen Augen ein unvergessliches Erlebnis für Kinder sein. Das gibt es in Musikgarten-Kursen schon für die ganz Kleinen ab 18 Monaten in Begleitung ihrer Eltern. Die Drei- bis Sechsjährigen gehen den Weg ins Musikzimmer allein. „Das funktioniert in der Regel auch ganz gut“, sagt Maik Kern. Die Kreismusikschule orientiert sich bei ihrer Früherziehung am Orffschen Schlagwerk – einer speziellen Zusammenstellung leicht zu spielender Rhythmus- und Klanginstrumente, die auf den Komponisten Carl Orff zurückgeht. Die Instrumente sind so konzipiert, dass sie ohne Vorkenntnisse intuitiv gespielt werden können, um den natürlichen Rhythmus und die Kreativität von Kindern zu fördern. Das Instrumentarium teilt sich dabei in drei Hauptgruppen: Instrumente mit festen Tonhöhen wie Xylophone, Metallophone und Glockenspiele, verschiedene Trommeln wie Handtrommeln, Pauken, Bongos oder Schellentrommeln sowie Instrumente ohne feste Tonhöhe zur Klanggestaltung wie Rasseln, Triangeln, Klanghölzer, Kastagnetten und Maracas. „Auch Tücher und Bälle kommen bei uns zum Einsatz“, so Kern. Im zweiten Jahr der musikalischen Früherziehung werden die Kinder dann mit der kompletten Welt der Instrumente vertraut gemacht. „Sie können sich dabei ausprobieren und schauen, was man zum Beispiel mit einer Trompete oder einer Tuba anfangen kann“, erklärt Maik Kern.

Text: Steffi Hofmann/Originalbeitrag im Stadtstreicher 06-08/2026