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Achtung: Nicht zu nah an's fremde Auto!

„Eltern haften für ihre Kinder“

- was stimmt daran, was nicht: Der Fachmann bringt Licht ins Dunkel

Mit dem Kinderfahrrad an ein fremdes Auto gefahren und – zack – ist da ein Kratzer oder eine Delle. Der Fußball ins Fenster der Nachbarn und – krach – ist da ein Loch in der Scheibe. Ein Glas Saft über den Laptop der Tante geschüttet und schon ist der hinüber. Szenarien kann man sich viele ausmalen. Das Bekannteste ist wohl das: Ein Haus verfällt. Das Gelände ringsum ist aus Sicherheitsgründen abgesperrt und am Zaun prangt eine Warnung: „Eltern haften für ihre Kinder“. Das soll abschrecken, klar, aber Verbotenes lockt und das Abenteuer noch viel mehr. Doch wenn was passiert: Stimmt die Aussage auf dem Schild? Stadtstreicher hat das einen Versicherungsexperten gefragt. Und darüber hinaus auch, was Eltern bezüglich Versicherungen für Kinder beachten sollten. Mathias Forkmann ist Fachmann rund um Absicherungen im Schadensfall.

Stimmt der Satz: „Eltern haften für ihre Kinder“?

Viele Eltern glauben, sie haften automatisch für ihre Kinder. Tatsächlich greift die Haftung aber nur bei verletzter Aufsichtspflicht. Kinder sind ab einem Alter von sieben Jahren nur bedingt deliktfähig. Kinder unter sieben Jahren sind deliktunfähig. Gerade in Bezug auf Haftungsfragen und Schadensersatzansprüche sollte darauf geachtet werden, dass in der privaten Haftpflichtversicherung auch deliktunfähige Kinder mit eingeschlossen sind. So ist dann der Schaden versichert, wenn etwa das fünfjährige Kind beim Spielen bei Freunden zuhause das Fernsehgerät umwirft. Der Einschluss von deliktunfähigen Personen spielt übrigens auch oft im Alter wieder eine wichtige Rolle.

Welche Versicherungen sind für Kinder wichtig, welche darüber hinaus sinnvoll?

Neben der Haftpflichtversicherung ist eine private Unfallversicherung dringend zu empfehlen. Gerade Kinder sind besonders aktiv und ein Unfall ist schnell passiert. Die gesetzliche Unfallversicherung greift nur bei Unfällen in der Kita oder Schule bzw. dem direkten Weg dorthin bzw. wieder nach Hause. Im Bereich der Krankenversicherung gibt es diverse Zusatzversicherungen, die den gesetzlichen Versicherungsumfang erweitern. An eine Zahnzusatzversicherung sollte frühzeitig gedacht werden. Sobald die ersten Maßnahmen zur Kieferorthopädie festgestellt wurden, kann es sehr schwierig werden, noch einen entsprechenden Versicherungsschutz zu bekommen. Neben der Unfallversicherung können auch Kinder bereits für den Pflegefall abgesichert werden. Das ist kein Thema, über das man gerne nachdenkt, aber im Fall der Fälle kann das die Versorgung des Kindes sichern. Ein großer Vorteil ist auch eine evtl. spätere Umwandlung in eine Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn man eine entsprechende Pflegeversicherung abgeschlossen hat, die auch den Gesundheitszustand des Kindes „eingefroren“ hat. Auch da haben viele junge Erwachsene Probleme, noch eine entsprechende Absicherung zu bekommen, wenn bereits körperliche oder psychische Erkrankungen, Allergien usw. aufgetreten sind. Frühzeitiges Sparen für das Kind in Form von Ausbildungspolicen, Sparplänen, Rentenversicherungen und ähnlichem evtl. auch gekoppelt mit einer Unfallversicherung oder Pflegeversicherung erfreut sich ebenfalls zunehmender Beliebtheit. Wichtig ist hier darauf zu achten, dass Zuzahlungen aber auch Entnahmen möglich sind. So kann z.B. frühzeitig schon für eine spätere Rente angespart werden, aber wenn der Führerschein gemacht oder die erste Wohnung eingerichtet werden muss, kann man auf das bereits angesparte Geld zugreifen. Die Zinseszinseffekte sind bei einem frühen Start und der längeren Laufzeit deutlich höher.

Ab wann und wie lange sollte ich mein Kind versichern?

Grundsätzlich ab der Geburt. Viele Risiken bestehen von Anfang an. Die Absicherung erfolgt in der Regel über die Eltern und wird später eigenständig weitergeführt. Die Kinder werden dann ab der Volljährigkeit und nach Abschluss ihrer Ausbildung oder des Studiums selbst Versicherungsnehmer.

Welche Tipps haben Sie darüber hinaus noch?

Frühzeitig informieren. Verträge regelmäßig prüfen, ob alles noch zur aktuellen Lebenssituation passt und auf familiengerechte Leistungen achten.

Text: Ramona Bothe-Christl/Originalbeitrag im Stadtstreicher 06-08/2026