Gute Bücher wärmstens empfohlen
Fürs Lesen gibt es immer gute Gründe. Deshalb haben wir uns mal in ein paar Buchhandlungen umgehört und wundervolle Tipps gesammelt – zum Selberlesen und Verschenken.
Fürs Lesen gibt es immer gute Gründe. Deshalb haben wir uns mal in ein paar Buchhandlungen umgehört und wundervolle Tipps gesammelt – zum Selberlesen und Verschenken.

Susanne Meysick und Klaus Kowalke von Lessing und Kompanie
Sie selbst verstehen sich als Stadtteilbuchhandlung. Aber längst kommt nicht nur Kaßberg-Bevölkerung vorbei, um eine gute Empfehlung zu bekommen oder über Literatur zu plauschen. Denn die mehrfach ausgezeichnete Buchhandlung ist ein Herzensprojekt von Klaus Kowalke und Susanne Meysick, die für unsere drei Tipps nicht lange überlegen müssen, nur kommen letztlich sechs Tipps raus. Nachdem wir schweren Herzens unter anderem „Von Armut und Aufstieg“ aussortiert haben, liegen sie da, die Titel über die die beiden stundenlang erzählen könnten.
Das große Buch vom Tannenbaum
Was wissen wir eigentlich über Tannenbäume? Über die Tiere, die mit ihm leben, über die Pflanzen im Umfeld, über Veränderungen im Laufe der Jahreszeiten, über die Gaben, die er bereithält? Dieses Buch erzählt darüber in kindgerechten Sachtexten, die auch Erwachsene schlauer machen – bezaubernd illustriert von Lars Baus. „Ein wundervolles Familienbuch“, sagt Susanne Meysick und beschreibt begeistert weiter: „Am Ende des Buches findet sich auch noch Hans Christian Andersens Märchen ,Der Tannenbaum‘ - ein wirklich schönes Vorlesebuch.“
Holger Haag/Lars Baus (Illustration): Das große Buch vom Tannenbaum, Coppenrath Verlag 2025, 56 Seiten, 22 Euro, ab 5 Jahre
Lázár
„Dieses Buch ist eine Überraschung“, sagt Klaus Kowalke. Gerade mal 22 Jahre alt, werde Nelio Biedermann schon mit Thomas Mann in Verbindung gebracht, während sein Debütroman zur Frankfurter Buchmesse gleich zum Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen gekürt wurde. „Der Autor erzählt die Geschichte Ungarns vom Zusammenbruch der Habsburgermonarchie bis in die 1950er/1960er Jahre als großen Familienroman – mit frischem Blick und einer sehr eleganten verdichteten Sprache“, fasst Kowalke zusammen. Zwischen Glanz und Elend einer ganzen Epoche gerät die berührende Familiensage des Schweizer Autors oder „neuen Zauberers“, wie Die Zeit ihn nannte, auch zur poetischen Sinnsuche.
Nelio Biedermann: Lázár, Rowohlt Berlin 2025, 336 Seiten, 24 Euro
Wenn ich eine Wolke wäre
Als Lyrik-Fan ist Klaus Kowalke voll in seinem Element: „Das Buch ist eine schöne Hommage an Mascha Kalékos.“ Die erfolgreiche Dichterin der 1930er Jahre musste vor den Nazis fliehen und kehrte 1956 für ein Jahr nach Deutschland zurück. Fast täglich schrieb sie Briefe an ihren Mann in New York, und Volker Weidermann strickt daraus eine besondere, melancholische Biografie. Ihren Erlebnissen in den zwölf Monaten folgend, erzählt er fast nebenbei ein ganzes Leben. Dabei lässt er die Eleganz und den Humor ihrer Sprache aufscheinen. Für Kowalke eine gute Gelegenheit, noch auf den Kaléko-Gedichtband „Ich tat die Augen auf und sah das Helle“, eine Auswahl von Daniel Kehlmann zu verweisen.
Volker Weidermann: Wenn ich eine Wolke wäre, Kiepenheuer & Witsch 2025, 240 Seiten, 23 Euro

Luisa Kölbel von Thalia Zwickau
Bücher über Bücher auf 700 Quadratmetern gegenüber den Zwickau-Arcaden. Neben Bestsellern stehen die Geheimtipps und persönlichen Empfehlungen in den Regalen und auf den Büchertischen, während unter der Gewölbedecke auch allerhand schöne Geschenkideen und Spielwaren zu finden sind. Eine tolle Auswahl, die für jeden Geschmack und jedes Alter das Richtige bereithält. Allerdings müssen wir diesmal nicht stöbern und anlesen, denn Buchhändlerin Luisa Kölbel holt mit sicherem Griff ein paar gute Tipps aus dem riesigen Sortiment.
Impossible Creatures
„Ein magisches Abenteuer für Kinder ab zehn Jahren, die mit dem tierlieben Christopher und Mal, dem Mädchen mit dem fliegenden Mantel, das Archipel entdecken wollen“, beschreibt Luisa Kölbel. Das außergewöhnliche Fantasy-Bestseller entführt an „jenen magischen Ort, an dem die Wesen aus den Sagen und Mythen der Welt vor aller Augen versteckt und geschützt werden. Dieser preisgekrönte Roman hat weltweit schon so viele Kinderherzen erobert, dass Disney sich bereits die Filmrechte gesichert und eine baldige Ausstrahlung geplant hat!
Katherine Rundell: Impossible Creatures, Fischer Sauerländer 2025, 384 Seiten, 15,90 Euro
Das Reich der Sieben Höfe
„Dornen und Rosen“ ist der Auftakt zu einer weiteren Fantasy-Reihe der Bestseller-Autorin Sarah J. Maas, der die junge Jägerin Feyre in das Reich der Fae, Prythian, entführt. Dort ist nichts wie es scheint. Sicher ist nur eins, sie muss sich selbst, ihre Liebe und das ganze Reich retten. „Eine wunderschöne Romantasy, die jeder Liebhaber des Genres gelesen haben sollte“, empfiehlt Luisa Kölbel. „Mit bisher fünf erschienen Bänden geht der Lesestoff für die Altersgruppe über 15 Jahren so schnell nicht aus.“
Sarah J. Maas: Das Reich der Sieben Höfe, dtv 2017, 480 Seiten, 23 Euro (Taschenbuch: 14 Euro)
Das Bernsteinkind
Der zehnte Fall des Berliner Kommissars Nils Trojan ist ein spannender Psychothriller. Mehrere Leichen werden innerhalb kürzester Zeit aufgefunden. Grausam zugerichtet, mit abgeschnitten Augen und Lidern, dafür ausgegossen mit Harz. Der Fall steckt in der Sackgasse, aber dann kommt ein Krimi ins Spiel. „Ein mysteriöser und spannender Fall, der einen an das Buch fesselt und mehr als einmal für Gänsehaut sorgt“, macht Luisa Kölbel neugierig.
Max Bentow: Das Bernsteinkind, Goldmann 2023, 480 Seiten, 12 Euro

Roca Sonnerborn und Mica Kempe vom MonOkel
Der kleine Laden an der Webergasse in Chemnitz ist vor allem bekannt für eine riesige Auswahl an großartiger Kinder- und Jugendliteratur. Aber auch Bücher für die Jüngsten werden von Erwachsenen gekauft und die gehen sollen doch auch nicht leer ausgehen. Müssen sie auch nicht, dank einer liebevoll zusammengestellten Auswahl an herrlichem Lesestoff. Aus diesem Sortiment haben uns Roca Sonnerborn und Mica Kempe nach einigem Abwägen drei großartige Empfehlungen herausgesucht. Und während wir stöbern, fällt der Blick auf die Ausstellung über den Regalen – sie erzählt derzeit über die Casa Rossa in Chemnitz. Über was?
Casa Rossa Chemnitz
Das Buch ist eine Dokumentation – und was für eine: Als die Architekten Annette Fest und Christian Bodensteiner die Transformation des Chemnitzer Wohnhauses an der Gießerstraße 41 begannen, stand es bereits 30 Jahre leer und war in einem desolaten Zustand. Stück für Stück haben sie dem alten Gründerzeitbau seinen Charme zurückgegeben und im Sinne nachhaltiger Baukultur moderne Wohnungen geschaffen, die eine minimalistische Ästhetik leben. Das alles haben sie dokumentiert: Von der Idee bis zur Fertigstellung erzählen sie wort- und bildreich über die Stadt, den Sonnenberg, das Projekt, die Idee. Zur Frankfurt Buchmesse haben sie kürzlich dafür den Buchpreis des Deutschen Architekturmuseums bekommen. „Ein optisch, haptisch und inhaltlich sehr gelungenes Buch für Architekturinteressierte und Menschen, die sich für Chemnitz interessieren“, fasst Rica zusammen.
bodensteiner/Fest: Casa Rossa Chemnitz, Deutscher Architektur Verlag 2025, 228 Seiten, 58 Euro
Spielen
Das Buch von Karen Köhler ist Teil einer Reihe des Hanser Verlages und lädt im wahrsten Wortsinn zum Spielen ein. „Es ist ein interaktives Buch“, sagt Mica. „Die Autorin appelliert da ein bisschen an das Kind in uns und ermutigt, das ständige Vernünftigsein mal abzuschütteln.“ Während Köhler über ihre eigene Lust am Spielen erzählt, übers Gewinnen und was unser Gehirn dabei durchmacht, animiert sie immer wieder zu kleinen Kicks: Rätsel, Mutproben, Alltagsspielerein. Wer sich darauf einlässt, erlebt schnell die Leichtigkeit des Spielerischen – und womöglich ist es deshalb ein so gutes Buch für unsere aktuelle Zeit, in der uns manchmal der Spaß verlorengeht.
Karen Köhler: Spielen, Hanser Berlin 2025, 224 Seiten, 22 Euro
Gigantische Berge und wie man sie erklimmt
„Ein Buch für die ganze Familie“, sagt Mica. „Jeder, der die Berge ein bisschen liebt, entdeckt darin etwas Spannendes. Darüber hinaus sind die Illustrationen mal ganz anders und damit vielleicht auch ein besonderer Wert des Buches.“ Autorin Robin Jacobs lädt ein zu einer Reise um die Welt, auf die Gipfel der Kontinente. Sie erzählt von Mythen und der Entstehung, von den rauen Bedingungen in der Höhe und von der Ausrüstung und den Vorbereitungen für Bergtouren, von Erstbesteigungen und den extremen Routen, von den Gefahren bei Wind und Wetter. Das alles ist kurzweilig aufbereitet und sorgt auch dank der Zeichnungen von Ed J. Brown anschaulich und detailreich für interessante Einblicke und Respekt vor der Natur.
Robin Jacobs/Ed J. Brown (Illustration): Gigantische Berge und wie man sie erklimmt, E. A. Seemann 2025, 88 Seiten, 22 Euro, ab 8 Jahre

Buchhändlerin Anja Satter vom Thalia Team Roter Turm Chemnitz
Das riesige Sortiment übersichtlich zu präsentieren, ist wohl die größte Kunst dieser Buchhandlung. In der oberen Etage sitzen Menschen in den Sesseln, plaudern oder lesen, während unten viel gestöbert wird. Einer studiert gerade den Klappentext, eine Dame greift zielsicher ins Regal, eine andere mag wohl die handgeschriebenen Empfehlungen des Thalia-Teams. Es ist echt viel los, als Buchhändlerin Anja Satter ihre drei Tipps präsentiert, darunter „Lázár“ von Nelio Biedermann. Das Buch scheint also tatsächlich zu bewegen, aber schnell ist noch ein weiterer Tipp parat.
Der stille Freund
„Ferdinand von Schirachs Erzählungen sind direkt, man ist sofort hineingezogen ohne Vorgeplänkel – kurz und prägnant“, beschreibt Anja Satter. Viele seiner so gnadenlos schnörkellosen Geschichten treffen auf Zufälle, erzählen vom Scheitern genauso wie vom Erfolg. Und immer schwingen die großen Themen unseres Lebens mit, die Sehnsüchte, die Abgründe, das Unbegreifliche, die Verletzlichkeit. Die Moral. Der Sinn. So schaffen die 14 unpathetischen Erzählungen über bekannte und unbekannte Personen auf der ganzen Welt auch immer Raum für Interpretationen, für nachdenkliche Gedankenspiele.
Ferdinand von Schirach: Der stille Freund, Luchterhand 2025, 176 Seiten, 22 Euro
Zwei drei blaue Augen
Das Debüt des Schauspielers Victor Schefé ist eine lebendige, selbstironische und rasante Zeitreise. „Er verarbeitet in diesem Roman seine Jugend in der DDR, seinen Ausbruchswillen – und wie er es 1986 schließlich nach Westberlin schafft, drei Jahre vor dem Mauerfall“, fasst Anja Satter kurz zusammen. Diese Autofiktion ist locker erzählt, voller guter Musik und mit original Stasi-Berichten gespickt, die im Kontrast deutlich spüren lassen, warum ein Freigeist wie Schefé seine Heimat verlassen musste. Eine Ost-West-Geschichte der anderen Art, mitreißend erzählt und stets irgendwie lebensfroh trotz aller tragischer Momente.
Victor Schefé: Zwei drei blaue Augen, dtv 2025, 472 Seiten, 24 Euro
Gesellschaftsspiel
„Ein spannendes Gedankenspiel“, sagt Anja Satter. „Ein Tech-Milliardär kauft die Rechte an Weimar, um ein neues Gesellschaftsmodell auszuprobieren – Mitbestimmung für alle per App. Da kommt man beim Lesen durchaus ins Nachdenken“, ergänzt sie. Verwoben mit der Geschichte einer entzweiten Familie entwirft das Buch ein gar nicht so abwegiges Zukunftsszenario. Aber ist es das nun die Rettung oder der Untergang der Demokratie? Die Autorin entwirft das gesellschaftliche Experiment, nicht ohne den Hintergrund gegenwärtiger Diskurse und schafft es, den Blick auf die Werte unseres Zusammenlebens zu richten.
Dora Zwickau: Gesellschaftsspiel, Piper 2025, 288 Seiten, 24 Euro